Anwaltssuche-2

Fortsetzung von Anwaltssuche, Teil 1

Anwaltssuchdienste

Von der Art her gibt es rein kommerzielle Branchenverzeichnisse mit Profilen und teilweise Bewertungen (Marktplätze), daneben Auflistungen der Bundesrechtsanwaltskammer und der regionalen Anwaltskammern (Beispiel). In Letzteren kann man sich Angehörige des Berufsstandes anzeigen lassen, bezahlte Profile und Inserate gibt es dort nicht. Auch Anwaltsvereinigungen veröffentlichen Verzeichnisse ihrer Mitglieder.

Gewerbliche Anwaltssuchdienste und Anwaltsmarktplätze findet man schnell im Internet. Was komfortabel aussieht, nämlich eine Suche mit Voreinstellungen (Filter wie Ort, Rechtsgebiete, Fachanwaltsbezeichnung), lässt einen aber unter Umständen ratlos zurück. Denn kommen noch Bewertungen hinzu und kleine Artikel der dort eingetragenen Anwälte, mit denen sie weitere Profilierung suchen, wird das Bild immer unübersichtlicher.

Bewertungen: begrenzter Wert

Bewertungen sind bei Verbrauchern in verschiedensten Zusammenhängen sehr beliebt.

Wie in manch anderen Bereichen, kann man sie auch im Anwaltsbereich nicht immer für bare Münze nehmen. Schon nicht sehr aufwendige Ermittlungen führen zu der Einsicht, dass ungünstig bewertete Anwälte nicht existieren, und zu dem Eindruck, dass nicht alle Bewertungen echt sind.

Zweifel an der Echtheit mancher Bewertungen kennt man schon von den Sternen, die beim größten Onlinehändler vergeben werden. So kommt es beispielsweise vor, dass eine allerbeste Bewertung für Anwalt XY gleichlautend in verschiedenen, sogar ganz unbekannten und entlegenen Anwaltsverzeichnissen zu lesen ist. Man fragt sich hier: Kann bei einem ehemaligen Mandanten Bewunderung für erlebte Anwaltskünste so weit gehen, dass er bei verschiedenen Verzeichnissen extra Konten anlegt, um dort identische Spitzenbewertungen für „seinen“ Anwalt abzugeben? Oder fällt da ein Verdacht auf andere?

Wie dem auch sei, der Anwaltssuchdienst, bei dem man gerade recherchiert, weiß vermutlich selbst nichts von solchen Machenschaften und könnte sie mangels Wissens und Überblicks auch nicht verhindern.

Eine weitere Problematik solcher Verzeichnisse besteht darin, dass etliche Anwälte sich in vielen Varianten einen Expertenstatus zuschreiben und bei auch ziemlich abweichenden Abfragen stets aufs Neue erscheinen. Ein Beispiel: Sucht man bei einem großen Anwaltssuchdienst nach einem Anwalt für Mietrecht in einer großen Stadt, erhält man mitunter hunderte von Vorschlägen mit Anwälten, die sich dafür eingetragen haben, natürlich ein Großteil mit Spitzenbewertungen, wobei viele Einträge bezahlt sind und bei denen niemand sagen kann, ob sie realistisch sind.

Wie stark Anwaltssuchdienste genutzt werden, ist unbekannt, vermutlich wenig. Nur 3 Prozent der Teilnehmer einer Umfrage, die von der Zeitschrift Finanztest vor einigen Jahren veranstaltet wurde, gaben an, entsprechende Seiten aufzurufen. Anwälten, die dort Einträge buchen, wird das oft gar nicht bewusst sein. Dagegen nutzten 15 Prozent für die Anwaltssuche allgemeine Suchmaschinen.

Als komplett nutzlos sahen die Umfrageteilnehmer die Rechtsanwaltskammern an, wenn es darum geht, einen geeigneten Anwalt zu finden.

Es bleibt die Erkenntnis: Man muss vertrauen – doch worauf?

Empfehlungen von Rechtsschutzversicherungen

Rechtsschutzversicherungen empfehlen auf Anfrage ihrer Kunden Rechtsanwälte, die für die Rechtsschutzversicherung als Partneranwälte tätig werden. Zu ihnen gehören auch Fachanwälte. Eine gute Maßnahme ist es, sich nicht ganz auf eine Empfehlung des Versicherers zu verlassen, sondern zumindest einen Blick auf die Website des Anwalts zu werfen, bevor man einen Auftrag erteilt. Oft kann man so einen Eindruck gewinnen, ob eine Mandatserteilung an die Person sinnvoll ist.

Schwierige Fälle und solche, die vermutlich viel Zeit beanspruchen werden, sollte man im Zweifel einem Partneranwalt einer Rechtsschutzversicherung nicht antragen. Denn da die Rechtsschutzversicherung seine Tätigkeit vergütet, können solche Gestaltungen dazu führen, dass im Einzelfall „wenig Biss“ zum Vorschein kommt – so jedenfalls die Auskunft derjenigen Umfrageteilnehmer bei Finanztest, die mit einem Partneranwalt nicht zufrieden waren.

Kunden einer Rechtsschutzversicherung haben immer freie Anwaltswahl.

Weiteres Zwischenergebnis: Bei Anwaltssuchdiensten und -marktplätzen, die Mandantenbewertungen und (bezahlte) Einträge herausstellen, schadet gesunde Skepsis nicht. Empfehlen Rechtsschutzversicherungen Partneranwälte, sind diese jedenfalls grundsätzlich geeignet.

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